Vorinformationseffekt

Erwartungseffekt, negative Verzerrungstendenz, ähnlich: Rosenthal-Effekt, Pygmalion-Effekt
engl: negativity bias, Rosenthal-effect

Vorinformationen beeinflussen signifikant die Bewertung der Performanz und Leistungen eines Teilnehmers im Assessment.

Vor allem negative Vorinformationen haben einen starken Effekt. Werden Beobachter beispielsweise vorab über die (vorgeblich) geringe Einsatzbereitschaft und Teamfähigkeit eines Kandidaten informiert, so bewerten sie sein Verhalten bezüglich dieser Kriterien signifikant schlechter als Beobachter, die das Gleiche gesehen, aber diese Vorinformation nicht erhalten haben. Der negative Effekt negativer Vorinformationen strahlt teilweise auch auf weitere Kriterien über.
Positive Vorinformationen haben hingegen nur einen minimalen Efekt.

Gegenmaßnahmen:
Effekte von Vorinformationen sind am besten und einfachsten dadurch zu vermeiden, dass die Beobachter vorab und während des Assessments keinerlei zusätzliche Informationen über die Kandidaten erhalten. Relevante Leistungen in der Vergangenheit sowie weitere Informationen über den Kandidaten können z. B. nach der Zusammenfassung der Befunde des Assessments ergänzt und bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. In den meisten Fällen ist es aber sinnvoller, nur die AC-Befunde als validere Information zu verwenden.

In der Praxis führen meist die Personaler des Unternehmens die ersten Interviews mit Kandidaten. Sie haben somit Vorinformationen. Durch die Einschaltung eines externen Beraters, der anschließend ein Assessment ohne Vorinformation rein orientiert am Anforderungsprofil durchführt, können Vorinformationseffekte optimal vermieden werden.

siehe auch:
->weitere Beobachtungs- und Beurteilungsfehler


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Literatur:
Kanning, U. P. & Klinge, K. (2005). Wenn zu viel Wissen in der Personalauswahl zum Problem wird. Wie Vorinformationen über Bewerber die Bewertung im Assessment Center verzerren können. Personalführung 38 (3), 64-67.
Rosenthal, R. & Jacobson, L. (1966). Teachers’ Expectancies: Determinants Of Pupils’ IQ Gains. Psychological Reports 19, 115-118.

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