Konstruktvalidität

engl: construct validity

Kriterium der Testgüte. Maß für die Gültigkeit (= Validität),
d.h. dafür, ob und inwieweit ein diagnostisches Verfahren, wie z. B. ein Test oder eine Rollensimulation im Assessment, tatsächlich ein bestimmtes Merkmal oder Konstrukt misst.

Konstruktvalidität ist dann gegeben, wenn das, was ein diagnostisches Verfahren misst, den Bedeutungsumfang des Konstruktes, welches gemessen werden soll präzise und nachvollziehbar abbildet.

Ein Intelligenztest sollte z. B. alle relevanten Facetten des Konstruktes Intelligenz messen und nicht das logische Schlussfolgern auslassen.

Das Ausmaß der Konstruktvalidität wird theoretisch-sachlogisch abgeleitet und empirisch untersucht. (Siehe auch konvergente und diskriminante Validität).

In mehreren Studien zur Konstruktvalidität von Assessment-Centern wurde nur eine geringe Konstruktvalidität der untersuchten Assessments festgestellt (Kleinmann, 1997). Folgendes ist zu empfehlen, um in Assessments für die Personalentwicklung Konstruktvalidität zu erreichen:

  • Die Anforderungs- und Beobachtungskriterien sowie die Verhaltensanker sollten allen Teilnehmern bekannt gemacht werden. Damit wird der Einfluss der sozialen Intelligenz reduziert.
  • Die Beobachter sollten nur wenige Beobachtungskriterien zeitgleich beobachten. Die Validität nimmt ab, wenn die Zahl der Kriterien pro Übung größer als vier ist. Damit ist die Kanalkapazität der meisten Beobachter im Beobachtungsprozess erreicht; mehr als vier Kriterien führen zu Informationsüberlastung.
  • Die Beobachtungskriterien sollten so konzipiert sein, dass alle denkbaren Verhaltensausprägungen bei einer zeitgleichen Beobachtung möglich sind. Anderenfalls sollten die Teilnehmerausprägungen in den Beobachtungskriterien sukzessive für die einzelnen Übungen beobachtet werden.
  • Die Beobachtungskriterien sollten für die Beobachter durch mehrere Verhaltensanker gut handhabbar sein. Die Beobachter müssen ein Beobachtertraining durchlaufen, in dem das Verständnis sowie die Handhabung der Kriterien und Verhaltensanker trainiert wird.
  • Sollen Maßnahmen zur Personalentwicklung durch Assessments evaluiert werden, sollte eine Beobachterrotation unterbleiben.
  • Ebenfalls förderlich ist der Einsatz brillianter Rollenspieler, die passend Provokatoren zu den Kriterien einsetzen und sicherstellen, dass die Teilnehmer ihre Kompetenzen auch tatsächlich zeigen können.

siehe auch:
Validität
Indikator
Bandbreiten-Genauigkeits-Dilemma

Literatur:

Cronbach , Lee J. & Meehl, Paul E. (1955). Construct validity in psychological tests . Psychological Bulletin, 52, 281-302.
Download als pdf

Kleinmann, M. (1997). Assessment-Center. Stand der Forschung - Konsequenzen für die Praxis. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.


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